Energetische Sanierung eines Dreifamilienhauses mit Balkonanbau

Beschreibung des Bestandes:

Die Grundmauern von 1893 tragen das 1953 neue errichtete und vergrößerte 3-Familienhaus. Es steht giebelseitig zur Straße gegenüber einem kleinen Park und grenzt rückseitig an das direkt angebaute Nachbargebäude. Beheizt wird das Gebäude mit einer zentralen neuwertigen Gasbrennwerttherme, die Warmwasserbereitung erfolgt wohnungsweise. Teilweise vorhandene Schimmelschäden bedingt durch Wärmebrücken, Undichtigkeiten am Dach und der Wunsch nach einer Wohnqualitätssteigerung mittels Balkonen veranlassten den Eigentümer zur Prüfung der Sanierungs- und Modernisierungsmöglichkeiten des Gebäudes.

 

Projektplanung:

Als erstes veranlasste der Eigentümer eine Energiediagnose beim Energieberatungszentrum Stuttgart, um die energetischen Einsparpotenziale zu untersuchen. Im nächsten Schritt erfolgte die Beauftragung des Architekten, um auf dieser Grundlage ein Sanierungskonzept auszuarbeiten. Zu prüfen waren auch die Möglichkeiten für einen Balkonanbau auf dem sehr beengten Grundstück, um die Wohnqualität zu verbessern. Mit dem Baurechtsamt und dem Stadtplanungsamt wurden die Balkonvarianten geprüft und letztendlich eine Entscheidung getroffen. Anschließend wurde der Bauantrag eingereicht und genehmigt.

Um das Gebäude energetisch auf Neubaustandard zu bringen, wäre es notwendig gewesen, die Warmwasserversorgung zu zentralisieren und mit Solarkollektoren zu unterstützen. Da dies aber umfangreiche Baumaßnahmen in den Wohnungen nach sich gezogen hätte, wurde darauf verzichtet. Somit wurden die Dämmstärken entsprechend den Anforderungen für das Programm KFW-Einzelmaßnahmen gewählt. Die Dachfläche wurde mit einer Dämmstärke von 30 cm, die Fassade mit 14 cm und die Kellerdecke mit 4 cm gedämmt. Um das zu beheizende Volumen zu verringern, verläuft die Dachdämmung nicht bis zum First, sondern lediglich bis zur obersten Geschossdecke, die eine zusätzliche begehbare Dämmung mit 20 cm erhielt. Zur Sicherstellung des feuchtetechnisch notwendigen Luftwechsels in den Wohnungen wurden in den Bädern Abluftventilatoren eingebaut, die Zuführung der Zuluft erfolgt über Lüftungselemente in den Fenstern.

Die Ausbildung der Anschlussdetails erfolgte so, dass es auf der Innenseite bei normalen Verhältnissen nicht zur Schimmelbildung kommen kann. So wurde z.B. der in die Fensterleibung sichtbar eingefügte Rollladenkasten mit einer Dämmplatte hinterdämmt, um die Wärmebrücke zu minimieren.

 

Der Balkonanbau über 3 Geschosse wurde vom Schlosser als Stahlkonstruktion hergestellt. Die Brüstung besteht aus wechselseitig verdrehten Flachstählen, wodurch Einblicke von außen weitgehend ausge- schlossen, Blicke von innen in den Park und zu den Weinbergen aber möglich sind.

Finanzierung:

Durch die hochwertigen Dämmmaßnahmen konnte der Eigentümer umfangreiche Fördermittel beantragen. Die KFW-Bank gewährte einen zinsgünstigen Kredit, verbunden mit einem 7,5 – prozentigen Tilgungszuschuss sowie einen Zuschuss für die Baubegleitung. Von der Stadt Stuttgart wird die Maßnahme im Rahmen der Regelförderung bezuschusst. Damit können rund 10% der Kosten der energetischen Baumaßnahmen abgedeckt werden.

 

Umsetzung und Bauleitung:

Nach Fertigstellung der Werk- und Detailplanung erstellte der Architekt Leistungsverzeichnisse mit der genauen Beschreibung der Bauleistungen und der zu verwendenden Materialien und holte Angebote bei Handwerksfirmen ein. Nach der Beauftragung der Firmen wurden während der gesamten Bauzeit die Arbeiten vor Ort überwacht, Ausführungsdetails besprochen und Schnittstellen unter den Gewerken abgestimmt. Zur Qualitätssicherung wurde die Dichtigkeit der Gebäudehülle mit einem sogenannten Luftdichtigkeitstest überprüft, wobei sich zeigte, dass die Handwerksbetriebe sorgfältig gearbeitet und die Anforderungswerte selbst an einen Neubau deutlich übertroffen wurde. Die regelmäßige Kontrolle der Baukosten stellte sicher, dass das Bauvorhaben im Rahmen des Budgets abschlossen werden konnte.

Ergebnis:

Mit der Baumaßnahme ist es gelungen, den Wohnwert für die Mieter zu steigern. Mit den Balkonen erhalten die Bewohner neue Außenräume. Durch die Dämm- maßnahmen verbessert sich die Behaglichkeit in den Wohnungen, sowohl im Winter durch höhere Oberflächentemperaturen an den Wänden aber auch, was oftmals vergessen wird, im Sommer durch eine Reduzierung der Überhitzung. Die Heizkosten werden deutlich gesenkt und zusätzlich wird ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet.

 

Das Gebäude aus den 50-er Jahren erhielt mit dem neuen Balkonanbau und der veränderten Dachausbildung ein neues Gesicht und ordnet sich selbstverständlich in das Straßenbild ein.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© R. Chevalier, Freier Architekt + Energieberater