Sanierung eines Zehnfamilienhauses einer Wohnungseigentümer- gemeinschaft zum KFW Effizienzhaus 100

Beschreibung des Bestandes
Das Mehrfamilienhaus mit 2 Vollgeschossen und einem Dachgeschoss befindet sich im Besitz einer Wohnungseigentümergemeinschaft, verfügt über 10 Wohneinheiten und wird über 2 Treppenhäuser erschlossen. Es ist in massiver Bauweise errichtet und hat ziegelgedeckte Satteldächer. Unter einem Gebäudeteil befindet sich eine Tiefgarage. Als Wärmeerzeuger für die Heizung dient ein Gaskessel, der auch das Trinkwasser erwärmt.
Das Gebäude mit seinen baujahrestypischen Schwachstellen wie kalte Fußböden im Erdgeschoss, Überhitzung in den Übergangszeiten durch die Einrohrheizung bzw. sommerliche Überhitzung im Dachgeschoss aufgrund geringer Dachdämmung wurde mittels einer Energiediagnose vom Energieberatungszentrum Stuttgart ein- gehend untersucht. Um die Schwachpunkte sowie vereinzelte Feuchte- und Schimmelschäden in den Griff zu bekommen, wurde eine Ertüchtigung des Gebäudes auf den heutigen energetischen Neubaustandard beschlossen.
 

Planung
Um zuverlässige Daten für die Dimensionierung der Anlagentechnik für Heizung und Warmwasserbereitung zu erhalten, wurden die Verbräuche vorab über einen längeren Zeitraum gemessen. Dabei stellte sich heraus, dass die von der DIN vorgegebenen Werte zu hoch sind und zu einer überdimensionierten Trinkwasseranlage führen würden. Aufgrund der daraus resultierenden kleineren Trinkwasseranlage konnten bereits im Vorfeld einige Tausend Euro eingespart werden. Die Untersuchung lieferte auch die notwendigen Werte für die Auslegung der neuen Solaranlage sowie für die wohnungsweise Regulierung der Heizung und strangweisen Regulierung der Warmwasserleitungen. Schwachpunkte wie schlechte Leitungsdämmungen bzw. zu geringe Warmwassertemperaturen verbunden mit der Gefahr von Legionellenbildung wurden ermittelt.

Ebenso sorgfältig wurde der Zustand der Gebäudehülle untersucht, die notwendigen Dämmstärken ermittelt und gebäudespezifische Anschlussdetails entwickelt. Um zukünftig auf die schlecht gedämmten und undichten Sturzrollladenkästen verzichten zu können, wurde die Rollladenschürze entfernt, wodurch das neue Fenster mit einem Thermopaneel luftdicht wie in einem Neubau eingebaut werden konnte.

Die Rollladenkästen wurden unsichtbar in die Wärmedämmung integriert.

Durch eine sorgfältige Vorplanung war es möglich, Energieeinsparpotentiale zu ermitteln, auf Wirtschaftlichkeit zu prüfen und Kosten zu berechnen. Somit wurde in vielfältiger Hinsicht eine zuverlässige Grundlage für die Umsetzung geschaffen.
Um die gewünschten Einsparziele zu erreichen, wurden das Dach mit 22 cm, die Fassade mit 16 cm und die Kellerdecke mit 8 cm gedämmt.
Bei den Fenstern kamen Dreifachgläser mit einem hochgedämmten Randverbund zum Einsatz.
Als Wärmeerzeuger dient eine Gas-Brennwerttherme, ergänzt durch eine Solaranlage mit Heizungsunterstützung. Die Leitungssysteme für die Heizung und Warmwasserverteilung wurden hydraulisch abgeglichen, zudem unter der Kellerdecke dämmtechnisch abgekoffert.
Die Abdichtungen der Balkone wurden erneuert und dicht an die neuen Fassadenaufbauten angeschlossen, die neuen Geländer erhielten einen wärmebrückenarmen Anschluss.

Finanzierung
Die beschlossenen und umgesetzten Baumaßnahmen ermöglichten eine große Anzahl von finanziellen Förderungen. Bei Wohnungseigentümergemeinschaften können alle nichtgewerblichen Eigentümer bei der Stadt Stuttgart und bei der KFW-Bank umfangreiche Zuschüsse erhalten. Zusätzlich werden die Leistungen vom Planer bei der KFW bezuschusst. Darüber hinaus wurde die Solaranlage mit Heizungsunter- stützung im Rahmen des Marktanreizprogrammes bezu- schusst. Die Zuschüsse reduzierten die Baukosten um 16%.

Umsetzung
Alle Bauleistungen wurden vom Architekt ausgeschrieben, um Baufirmen zu finden, welche für die Arbeiten geeignet sind und hierfür ein wirtschaftliches Angebot abgeben können.
Bereits bei der Vorplanung wurden die energetisch bedeutenden Maßnahmen vor allem im Bereich der Haustechnik mit Installateur, EBZ Stuttgart und Solites (Forschungsinstitut für solare Energiesysteme) besprochen und optimiert.
Der zeitliche Ablauf der Arbeiten wurde mit den Eigentümern und den Mietern abgestimmt, um die Beeinträchtigungen während der Sanierung für die Bewohner möglichst gering zu halten. Vom Architekten wurde der Bauzeitenplan mit den Handwerkern koordiniert, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
Bei regelmäßigen Baustellenterminen wurde der Bauablauf überwacht und die Bauausführung überprüft, Fragen zur Ausführung konnten vor Ort geklärt, Schnittstellen abgestimmt werden.
Die Qualitätssicherung der luftdichten Ausführung der Gebäudehülle erfolgte mit einem Luftdichtigkeitstest, anhand dessen der geforderte Wert nachgewiesen werden kann. Es wurden auch Schwachstellen aufgespürt, welche von den jeweiligen Handwerkern nachgearbeitet werden mussten.
Im Rahmen der Bauleitung erfolgte die regelmäßige Überprüfung der Entwicklung der Kostensituation, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Ergebnis
Auf der einen Seite ist es gelungen, den Energieverbrauch auf ca. die Hälfte zu senken und somit langfristig Kosten zu sparen. Es wurde aber auch die Chance ergriffen, das Gebäude in gestalterischer Hinsicht aufzuwerten. Beides spiegelt sich in einer großen Zufriedenheit der Eigentümer und Mieter wider.
Hinzu kommt die gesteigerte Behaglichkeit aufgrund der höheren Oberflächentemperaturen in den Wohnungen.
Um die Potentiale der neuen Anlagentechnik vollständig auszunutzen, werden die Parameter regelmäßig überprüft und die Anlage entsprechend nachjustiert. Somit können weitere Einsparpotentiale realisiert werden.

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© R. Chevalier, Freier Architekt + Energieberater